Atelier / Studio

Atelier in der "Wasserkunst"Studio at the "Wasserkunst"



Die Leine wurde hier seit Beginn des 18. Jahrhunderts gestaut, um die ständige Wasserversorgung für die Königlichen Gärten in Herrenhausen sicher zu stellen, insbesondere auch für die Fontänen des barocken Grossen Gartens, einem der Gärten der ehemaligen Sommerresidenz der Könige von Großbritannien und Irland, Kurfürsten von Hannover, Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg.

The river Leine has been held back here since the beginning of the 18th century to ensure a constant water supply to the Royal Gardens in Herrenhausen, the former summer residence of the Kings of Great Britain and Ireland, Prince Electors of Hannover, Dukes of Brunswick and Lueneburg, in particular for the fountains in the baroque styled “Grosser Garten” (Great Garden).

Die „Wasserkunst“ („Kunst“ in der damaligen Bedeutung von Technik), ein historisches, zuletzt 1862 erneuertes Gebäude im neuromanischen Stil, beherbergt die noch funktionsfähigen zwei Wasserräder und vier Pumpenmaschinen. Obergeschoss und die ehemalige Schmiede wurden dem Künstler Asmus Petersen als Atelier überlassen.

The “Wasserkunst” (water technique), an historic building, renovated in 1862 in New Romanic style, integrates two water-wheels and four pumping machines. The upper storey and the old blacksmith’s shop was let as a studio to the artist Asmus Petersen


Zu den Bildern von Asmus PetersenOn the paintings by Asmus Petersen

Prof. Dr. Ulrich Krempel, Direktor des Sprengel Museum Hannover

Hannover-Herrenhausen, Wasserlust: Über die Wehre rauscht kein Wasser, nur im Überfluss stürzt das herab, was zuviel ist. Zwei Stockwerke über der großen Feuchtigkeit stehen die Bilder von Asmus Petersen versammelt, einen imaginären Ort beschreibend, der so real war wie die Geschichte, wenn man sie in Zahlen oder Daten, in den Erinnerungen alter Leute und den nachforschenden Ortsbesichtigungen der Medien wahrnimmt. Bilder mit Daten, Votivtafeln, auf denen Bewegungen in Form von Pfeilen sichtbar sind, Namen “auftauchen”, Richtungsverweise und Bewegungspfeile in anderen Farben. Bilder in Grün und Blau, gegen die sich die Bewegungspfeile imaginärer Strömungen kräftig absetzen. Orte, die hier entstehen, durch die Bezeichnungen in komplexen Titeln, wie etwa „Das Nachtgefecht in der Gazellenbucht von Bougainville. Ungewisse Bewegungen des japanischen Verbandes. 2.11.1943, 1 Uhr.“ Die Szene löst sich allmählich in eine fast reale auf. Hinter den Buchstaben der Namen der japanischen Schiffe taucht etwas wie ein Blick in ein Nachtblau auf, Wasser, das sich weit erstreckt und auf dem ein schwacher Schimmer liegt, der in einem dunklen Himmel seinen Ursprung hat. Ein Blick in eine Weite, über der wie eine versperrende Folie die Chiffren der Namen und Zahlen liegt. Und vor und über diesen, sich bewegend und lebendig, weil Wege suchend und sich vorwärtsbewegend, die roten Pfeile. Bewegungszeichen dies, Wegzeichen von Schiffen in der Nacht, der Betrachtungswinkel gesenkt, aus der Anschauung in die Vogelsicht, ein schnelles Hin und Her in diesem Bild, das illusionsträchtige Raumgestaltung ebenso provoziert wie die schlichte Ansichtigkeit der Guckkastenbühne, den Widerspruch eines inszenierten Bildes zudem, in dem so etwas wie ein verfremdetes Bild entsteht. Petersens Bilder sind Orte der Erinnerung; die Geschichten, die er nicht erzählt, stecken hinter den Bildern. Die Situation ist genau beschrieben; der Titel gibt den Ort und das Geschehen wieder, Aspekte eines längeren Handelns von berüchtigten Schlachten. Bewegungen, hinter denen das Sterben der Menschen unsichtbar wird und die es doch beschreiben. Denn nichts ist in der Unendlichkeit des Meeres ungewisser als das, was Menschen auf schwimmenden Einheiten denken und tun; eigenartig unpräzis beschreiben die Militärhistoriker Geschichten wie vom Fliegenden Holländer. Schiffe, die brennend an anderen Schiffen vorbeirauschen; Totenschiffe alle sie, Schiffe, die sich wie in den Schlachten des Ersten und Zweiten Weltkrieges gegenseitig die Lebensmöglichkeiten zu nehmen versuchen.



Atelierraum / Room in the studio



Prof. Dr. Ulrich Krempel, Director of the Sprengel Museum Hannover

Hannover-Herrenhausen, Waterlust: No water is flowing over the weirs, for it is only in abundance that excess overflows. Assembled, two storeys above this sizable humidity, are the paintings of Asmus Petersen, describing an imaginary place which was only as real as the history perceived through numbers and data, through the memories of the old and in the research and investigations of the media. Datafilled paintings, votive tablets, in which movements are visible in the form of arrows, names “surface”, directions for directions and arrows of movement in other colours. Paintings in green and blue, against which these arrows of imaginary currents are set off powerfully. Places come into being here, through the description of such complex titles like “The night battle of Empress Augusta Bay, Bougainville. Uncertain movements of the Japanese unit. 2.11.1943, 1.00 a.m.”. The scene gradually dissolves into an almost real one. Behind the letters of the Japanese ships’ names appears something like a view into night blue, water, a vast expanse, upon which a faint shimmer hovers, its origins to be found in a dark sky. A view into space, over which lying – like an obstructing film – are the codes of names and numbers. And, in front and above these, moving forward and alive, seeking routes, the red arrows. Signs of movements these, indicating the passage of ships in the night, observed in depth, in perspective, and then up, into the bird’s-eye view, it’s a quick back and forth in this painting, laden with illusory space, although equally evoking the simplistic viewing of a proscenium, the contradiction, furthermore, of a staged scene in which something like an estranged image appears. Petersen’s paintings are places of memory; the stories he doesn’t tell are lodged behind the surface. The situation is precisely described; the title tells us of the place and the event, aspects of a lengthy scenario of notorious battles. Movements behind which the dying of human beings is invisible and yet described. For nothing is as uncertain in the endlessness of the sea as the thoughts and actions of human beings in floating units; in a strangely imprecise manner the military historians relate stories like that of the Flying Dutchman. Ships aflame, gliding past one another; they are all ships of the dead, ships like those which, during First and Second World War battles, tried to sever each other’s life-lines.


Petersens Bilder sind Bilder, die von der Liebe zum Meer und von der Liebe zu den Menschen erzählen. Sie sind keine Bilder, die an Kriege erinnern, um sie schöner zu machen, als sie jemals waren. Sie erzählen von der Unwirtlichkeit unseres Lebens und unserer müden Bildung; sie erzählen von der unglaublichen Erfahrung der Weite unseres begrenzten Planeten, von den Schwierigkeiten, hinter Zeit und in den Weiten unseres Sterns Orte festzumachen. Votivtafeln gleich, bewegen sich die Bilder um Geschichten herum; konkrete Geschichten, die aber nur in der Erinnerung wahr sind und die in der Vorstellung eines jeden zu anderen Geschichten werden können. Da stehen sie auf dem Dachboden, zwei Stockwerke über dem Wasser der Wasserlust, und erzählen ihre Geschichten nicht. Sie bergen sie in sich, bereit, sie auf Nachfrage einem jeden zu offenbaren. Aber noch schweigen die Bilder, noch sind die Votivtafeln nicht gelesen, noch hat niemand sich weiter eingelassen. Unten rauscht das Wasser.

Petersen’s paintings are paintings which tell of the love for the sea and of the love towards mankind. They are not paintings which remind of war for the purpose of making them more beautiful than they ever were. They tell of the disagreeable nature of our lives and our weary learning; they tell of the incredible experience of space within our earthly confines, of the difficulties of establishing a foothold beyond the time and within the space of our planet. Like votive tablets, these paintings revolve around stories; real stories which are, however, only true in recollection and which, in the mind of another, can become different stories. There they are, up in the attic, two storeys above the water of the Waterlust and they don’t tell their stories. They keep them to themselves ready to reveal them to one who asks. But still the paintings are silent, the votive tablets remain unread, as yet no one has become more deeply involved. And below, the brawl of water.